Fußball und Bier

Drucken | Speichern

Donnerstag, 24. Juni 2010 13:13:30, Florian von Hennet

Über das 1:0 gestern Abend freuten sich auch die deutschen Bierbrauer. Die haben seit Jahren mit geänderten Konsumgewohnheiten und sinkenden Absatzzahlen zu kämpfen. Einen Lichtblick bildete das Jahr 2006.

Dank der WM im eigenen Land und dem was seit dem als „Sommermärchen“ bezeichnet wird, konnten die deutschen Brauer damals 1,4 Prozent mehr Bier absetzen als im Vorjahr. Eine gute WM-Stimmung könnten auch eine kleine Brauerei aus Bayern gut gebrauchen, die noch rechtzeitig vor dem diesjährigen Finale will an die Börse gehen.

Die Erstnotiz der Brauholding Bayern-Mitte AG ist für den 8. Juli geplant. Also genau ein Tag nach dem zweiten Halbfinalspiel und drei Tage vor dem Finale. Ob der Termin bewusst zur Unterstreichung der Nähe zwischen Bier und Fußball gewählt wurde, ist nicht bekannt. Die Brauholding Bayern-Mitte, kurz BHB, ist Alleineigentümerin der Ingolstädter Herrnbräu. Die ist seit 1882 im Geschäft und hat sich vor allem auf die Produktion von Weißbier spezialisiert.

Zwischen dem 28. Juni und 5. Juli können interessierte Anleger Aktien der Brauholding Bayern-Mitte zeichnen. Der Emmissionspreis steht sogar schon fest: 2,80 Euro soll eine Aktie kosten. Selbst wenn er erfolgreich verläuft, wird es einer der kleinsten Börsengänge des Jahres werden. Nur knapp 4 ½ Millionen Euro will die BHB bei den Aktionären einsammeln. Die dazu nötigen 1,6 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung, d.h. das Geld aus dem Börsengang kommt nicht den Altaktionären zu Gute, sondern wandert vollständig in die Unternehmenskasse. Der Stimmrechtsanteil der bisherigen Anteilseigner fällt auf unter 50 Prozent.

Der Emissionserlös soll laut Unternehmensangaben unter anderem zur Reduzierung von Bankverbindlichkeiten genutzt werden und um die regional ausgerichtete Expansionsstrategie zu finanzieren. Zu der gehört, dass man nicht nur auf Bier, sondern auch alkoholfreie Erfrischungsgetränke setzt. Im ersten Quartal dieses Jahres lief es für die BHB besser als für den Rest der Braubranche. Während sich die deutschen Brauer im Schnitt über ein Wachstum um 1,1 Prozent freuen durften, stieg bei der BHB der Absatz um fast fünf Prozent.

Der Börsengang der BHB ist zwar klein, wenn er gelingt, könnte er jedoch zum Vorbild für manch ein mittelständisches Unternehmen werden. Schließlich macht das Geld der Anleger die BHB künftig weitgehend unabhängig von Bankkrediten.



Florian von Hennet ist der BörsenMan und börsentäglich auf SWR3 zu hören.

BörsenMan auf SWR3 BörsenMan auf SWR3
Podcast abonnieren Podcast abonnieren
Podcast abonnieren mit iTunes Podcast abonnieren mit iTunes