Fußball-Konjunktur

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Mittwoch, 23. Juni 2010 12:34:29, Florian von Hennet

Haben Sie sich in den vergangenen Wochen einen neuen Fernseher gekauft? Wenn ja, dann haben wir auch Ihnen eine kleine Sonderkonjunktur. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat ermittelt, dass allein in der letzten Maiwoche fast 60 Prozent mehr Flachbildfernseher verkauft wurden, als in der entsprechenden Vorjahreswoche. Die Fußballweltmeisterschaft sorgt so auch ökonomisch für einen willkommenen Ausgleich zur leidigen Sparpaket- und Eurokrisen-Diskussion.

Wer die ganze Zeit nur Sparen, sparen, sparen hört, rechnet nicht mit einer Gehaltserhöhung. Das zeigt sich auch im aktuellen Konsumklimaindex der Gesellschaft für Konsumforschung, GfK. Bei der Befragung von 2000 Verbrauchern zeigte sich, dass die Einkommenserwartung deutlich gesunken ist. Der Index sank um über 15 Prozent. Viele Bürger gehen also davon aus, dass sie demnächst das Sparpaket im eigenen Portemonnaie zu spüren bekommen werden.

Wer damit rechnet, bald weniger Geld zur Verfügung zu haben, tut sich normalerweise mit größeren Anschaffungen schwer. Normalerweise. Aber an der Stelle wirkt sich offenbar die Fußball-WM positiv auf das Kaufverhalten aus. Denn trotz sinkender Einkommenserwartung und einer anhaltenden Diskussion um eine möglicherweise bevorstehende Inflation steigt die von der GfK gemessene Anschaffungsneigung um über 12 Punkte auf 30,4 Zähler. Den höchsten Wert seit September vergangenen Jahres.

Das die Werte für die Anschaffungsneigung just in zum Start der WM nach oben gehen, ist für die Konsumforscher ein Indiz, dass das Tamtam um König Fußball zumindest einigen Branchen eine Sonderkonjunktur verschafft. Unterm Strich bleibt das Konsumklima stabil. Dabei hilft auch, dass es nach wie vor ermutigende Nachrichten vom Arbeitsmarkt gibt und sich die Konjunkturaussichten tendenziell verbessern.

So hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung heute seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,4 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben. Angetrieben werde der Aufschwung demnach vor allem vom Export. Wir müssen also hoffen, dass die Sparprogramme im Rest der Welt, daran nicht all zu viel ändern.



Florian von Hennet ist der BörsenMan und börsentäglich auf SWR3 zu hören.

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