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07.06.2010 Hochamt für St. Jobs
03.06.2010 Hochfrequenz ohne Sicherung
02.06.2010 Schall und Rauch
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  • Bankenstress

    Donnerstag, 17. Juni 2010 12:39:20, Florian von Hennet

     

    Wer sein Geld zu einer Bank bringt, möchte es in der Regel auch gerne wiederhaben. Um das sicherzustellen, gibt es eine Bankenaufsicht. Die überprüft die Banken regelmäßig und schaut, ob sie solide arbeiten. Die Ergebnisse solcher Überprüfungen wurden bisher unter Verschluss gehalten. Doch das soll sich bald ändern. Die spanische Regierung will so das Vertrauen in die Banken des Landes stärken.
    In Kürze will die spanischen Zentralbank die Ergebnisse ihrer sogenannten Stresstests veröffentlichen. Bei diesen Test wird überprüft, ob eine Bank auch eine Krise heil überstehen würde. Im vergangenen Jahr haben alle überprüften Banken in Europa diesen Test bestanden. Allerdings wurden nur knapp zwei Dutzend große, systemrelevante Institute untersucht. Seit sich vor einigen Wochen die Lage auf den internationalen Finazmärkten wieder verschäft hat, gibt es immer wieder Zweifel, ob weiterhin alle Banken der Situation gewachsen sind.

    Der diesjährige Stresstest wird gerade noch ausgewertet. Vor allem spanischen Institute bekommen diese Zweifel zu spüren und bekommen nur schwer Geld geliehen. Zu unrecht, wie die spanische Regierung meint. Zum Beweis, will sie die Ergebnisse des Test publik machen - und setzt damit alle anderen Länder der Euro-Zone unter Zugzwang.

    Doch auch in der Bundesregierung scheint man inzwischen kaum noch Bedenken gegen eine Veröffentlichung zu haben. Ganz im Gegensatz zum Bankenverband. der befürchtet, dass die Ergebnisse falsch interpretiert werden könnten und es zu unnötigen Verunsicherungen kommen könnte.

    Der Banken-Experte Professor Hans-Peter Burghof von der Uni-Hohenheim hält diese Bedenken für unnötig. Zwar müsse die Offenlegung der Daten mit der nötigen Sorgfallt erfolgen, im Kern sei es jedoch richtig und wichtig, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Sollte sich dabei zeigen, dass die eine oder andere Bank nicht genügend Eigenkapital hat, müsse diese sich entsprechend MIttel verschaffen - oder eben verstaatlicht werden. Mehr Verunsicherung als jetzt, sei schließlich kaum möglich, mehr Transparenz aber dringend nötig.

  • Hochamt für St. Jobs

    Montag, 07. Juni 2010 12:39:27, Florian von Hennet

    Wenig Dinge sind erfreulicher, als eine gelungene Überraschung. Daher gibt es viele Menschen, die ein gutes halbes Jahr vor Weihnachten nichts sehnlicher erwarten, als die unter strengster Geheimhaltung geplanten Produktpräsentationen von Apple.

    Heute ist es wieder mal so weit. Aber die Gerüchteköche kommen nur mühsam damit zurecht, dass sie sich dieses Jahr den Spaß selbst ein bisschen verdorben haben.

    Auch heute Abend wir Apple-Chef Steve Jobs wieder einen schwarzen Rollkragenpullover, Jeans und Turnschuhe tragen. Alles andere wäre eine echt Überraschung! Dann wird er mit unverhohlenem Stolz einige aktuelle Geschäftsergebnisse und Verkaufsstatistiken präsentieren; so zum Beispiel, dass Apple in nur zwei Monaten über 2 Millionen iPads verkauft hat.

    Dann wird er einige neue Produkte und Softwareupdates zeigen. Hier wird unter anderem mit einer neuen Version des Internetbrowsers Safari gerechnet, zudem wird ein neuer Highend Desktoprechner MacPro erwartet und ganz vielleicht auch eine überarbeitete Version des Kleincomputers Mac Mini. All dass ist aber nur als Vorspiel für das große Finale gedacht.

    Fans, Freunde, Konkurrenten, kritische Beobachter und all die eifrig mitschreibenden Blogger und Twitterer im Publikum werden nur auf den einen Satz warten: „One more thing…“. Mit dieser kleinen Floskel leitet Jobs gerne den Teil der Veranstaltung ein, derentwegen eigentlich alle gekommen sind. Dieses Jahr wird, wie in den Vorjahren, eine neue iPhone-Generation erwartet. Aber schon vor Monaten tauchten erste Bilder eines Prototypen auf.

    Wenig später gelangte dann auf verschlungenen Pfaden sogar ein veritables Gerät in die Hände eine Technikblogs. Es wurde in Einzelteile zerlegt, von alles Seiten betrachtet und entsprechend kommentiert. Nur wenige technische Details blieben verborgen. Aber zu was für einem Preis? Allenfalls die Konkurrenten können sich uneingeschränkt über die vorzeitige Enthüllung freuen.

    Allen anderen wurde ein guter Teil des leicht albernen Spaßes genommen. Wäre da nicht die Vermutung, dass Steve Jobs doch noch einen unerwarteten Knüller in der Hinterhand hat. Wenn man nur wüsste, was....

  • Hochfrequenz ohne Sicherung

    Donnerstag, 03. Juni 2010 12:42:22, Florian von Hennet

    Vor nicht einmal einem Monat stürzten an der New Yorker Börse einige Aktien wie von Geisterhand geführt ins Bodenlose. Nun hat sich in Japan fast etwas ähnliches ereignet. Aufgrund eines Computerfehlers hatte eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank versehentlich einen Verkaufsauftrag in Höhe von 150 Milliarden Euro erteilt - das zehnfache des Volumens eines gewöhnlichen Handelstages der Börse in Osaka. Nur weil der Fehler noch rechtzeitig entdeckt wurde, entstand kein größerer Schaden.

    Für einen Wimpernschlag benötig der Mensch etwa 150 Millisekunden. In der Zeit kann ein Computerhandelssystem eine Aktie 15 mal kaufen und wieder verkaufen. Schon bald wird es bedeutend schneller gehen. Die Entwickler sogenannter Hochfrequenz Handelssysteme träumen schon von Aktiengeschäften, die innerhalb von Nano- oder gar Pikosekunden abgewickelt werden - also innerhalb eines Billionstels eines Sekunde.

    Wohl überlegte Entscheidungen sind in solchen Zeitspannen nicht möglich, müssen sie auch gar nicht. Die Rechner fällen selbsttätig die Entscheidung ein Papier zu kaufen oder zu verkaufen. Sie beobachten beispielsweise den Abstand zwischen zwei Aktien, sagen wir Intel und Infineon. Wenn eine der beiden Chipaktien steigt, folgt ihr die andere meist kurz darauf. Erkennt die Handesoftware, dass die Intel-Aktie über einen gewissen Wert steigt, kauft sie blitzschnell Infineonanteile und verkauft sie wieder, wenn auch andere Handelsteilnehmer der neuen Trend bemerkt haben.

    Der Gewinn beträgt dabei möglicherweise nur den Bruchteil eines Cents. Bei Millionen solcher Hin und Her Schäft am tag, kommt für die Händler dennoch meist ein nettes Sümmchen zusammen. Und das mit ebenfalls gut zu kallkulierendem Risiko. Kein Wunder also, das Hochfrequenztrading an vielen Börsen bereits die Mehrheit der Geschäfte ausmachen.

    Leider ist der Markt aber noch weitgehend unreguliert. Zudem fehlen offenbar Sicherungssysteme. Obwohl der sogenannte Flash-Crash vor einem Monat den Dow Jones Index fast tausend Punkte kostete, weiß bis heute niemand genau, wie es dazu kam.

  • Schall und Rauch

    Mittwoch, 02. Juni 2010 12:45:41, Florian von Hennet

    Nicht viel reden, sondern entschlossen handeln. Die Bundesregierung wollte Stärke und Entschlossenheit demonstrieren, als sie vor zwei Wochen im Alleingang sogenannte Leerverkäufe teilweise verbat. Der überraschende und unabgesprochene Vorstoß hat ihr viele ärgerliche Kommentare aus der Finanzbranche und von den europäischen Partnern eingebracht.

    Beeindruckt hat es die Bundesregierung offensichtlich nicht. Heute hat sie nachgelegt. Das Bundeskabinett hat heute Vormittag den „Entwurf für ein Gesetz zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte“ beschlossen.

    Im Kern geht es erneut um sogenannte ungedeckte Leerverkäufe. Sie sollen in Deutschland für alle Aktien und Euro-Staatsanleihen untersagt werden. Während bei gedeckten Leerverkäufen der Verkäufer die gehandelten Wertpapiere zumindest leihweise sein Eigen nennt, werden bei ungedeckten Leerverkäufen Papiere verkauft, die der Verkäufer zu dem Zeitpunkt gar nicht hat. Den Käufer kann das in der Regel egal sein, solange die Ware zu einem definierten Zeitpunkt geliefert wird, also zum Bespiel abends nach Handelsschluss.

    Für den Verkäufer haben ungedeckte Leerverkäufe den Vorteil, dass das lästige Ausleihen der Wertpapiere entfällt und er noch schneller und umfangreicher auf den Abwärtstrend eines Papiers wetten kann. Theoretisch kann es sogar passieren, dass mehr Aktien eines Unternehmens zum Verkauf angeboten werden, als überhaupt existieren. Mit solchen Beispielen lässt sich sogar Laien verdeutlichen, wie pervers und zügellos der Finanzmarkt ist.

    Was sollte also dagegen sprechen, die Marktteilnehmer zur Besinnung zu rufen und sie in die Grenzen nachvollziehbaren Handels zu zwingen? Nichts, möchte man meinen. Und wenn der Rest der Welt nicht einsieht, dass Geschäfte mit Luftnummern gefährlich sind, muss Deutschland eben allein in Aktion treten.

    Nur: die meisten ungedeckten Leerverkäufe finden nicht an deutschen Handelsplätzen statt. Es handelt sich bei dem Vorstoß der Regierung um Symbolpolitik, also ebenfalls um eine Luftnummer. Auf eine echte Verbesserung der Situation sollte niemand hoffen.

  • Ryanair spart sich reich

    Dienstag, 01. Juni 2010 12:34:47, Florian von Hennet

    Geht es nach dem Chef des Billigfliegers Ryanair, Michael O'Leary, dann werden Fluggäste beim Besuch der Bordtoiletten künftig zur Kasse gebeten. Das bringt zusätzliches Geld ein und wenn die Klos seltener benutzt werde, könnte man auf zwei der drei Klos verzichten und statt dessen sechs zusätzliche Sitze einbauen. Mit solchen und anderen Ideen, hat Ryanair die Flugbranche verändert und vor allem viel, viel Geld verdient.

    Andere Fluggesellschaften jammern über steigende Kosten, schrumpfende Einnahmen und harten Wettbewerb. Ryanair feiert sich selbst. Der Gewinn des vergangenen Geschäftsjahres stieg um mehr als 200 Prozent. Ryanair hat erneut mehr Passagiere befördert als im Jahr zuvor, hat damit mehr Geld eingenommen und gleichzeitig die Kosten noch weiter gesenkt.

    Und Kostensenken erfordert bei Ryanair inzwischen viel Phantasie, da eigentlich kein Kostenpunkt mehr übrig geblieben ist, der nicht schon drei mal umgedreht wurde. So kommt es dann auch zu so kuriosen Ideen, wie die Einführung von Münzklos. Sogar Stehplätze würde Ryanair einführen, hätten die Aufsichtsbehörden und Flugzeugbauer nicht Sicherheitsbedenken.

    O‘Leary will seine Passagiere erziehen. Sie sollen gefälligst ohne Gepäck fliegen - das kostet nur Bodenpersonal und Zeit bei der Abfertigung. Sie sollen für ihr Essen und Trinken entweder zahlen oder es selbst mitbringen und sie sollen bei Zeiten auf dem Flughafen aufs Klo gehen - oder es sich eben verkneifen. Bei ein, zwei Stunden Flugzeit ist das nicht zu viel verlangt, oder?

    Die meisten anderen Unternehmen würden mit dem kaserneartigen Charme zur Grunde gehen, Ryanair wächst weiter. Und weiß nicht mal mehr so richtig wohin mit all dem Geld. Da die Kasse mehr als voll ist, sollen die Aktionäre im Herbst eine Dividende in Höhe von 500 Millionen Euro bekommen. Und wenn nicht doch noch mehr Flugzeuge bestellt werden müssen, soll eine weitere halbe Milliarde bald folgen. Die Aktie steigt an der Frankfurter Börse um fast fünf Prozent.

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Florian von Hennet ist der BörsenMan und börsentäglich auf SWR3 zu hören.

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