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| 23.04.2010 | Amazon und sein Bestseller |
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Abfall, Ausschussware, Gerümpel, Klimbim, Plunder, Ramsch, Schrott
Mittwoch, 28. April 2010 12:37:37, Florian von Hennet
So lauten einige der gängigen Übersetzungen des Wortes „Junk“. Mit diesem wenig schmeichelhaften Titel belegt die Rating-Agentur Standard & Poor‘s griechische Staatsanleihen. Diese Bewertung zeigt, wie dramatisch die finanzielle Lage Griechenlands ist. Und trägt damit selbst zu einer weiteren Verschärfung der Lage bei.
Die Kreditrisikospezialisten von Standard & Poor‘s bewerten Griechenland jetzt nicht mehr mit BBB+ sondern nur noch mit BB+. Das eine B weniger sorgt dafür, dass griechische Anleihen jetzt nicht mehr als Investition, sondern als Spekulation eingestuft werden. Mit weitreichenden Folgen. So müssen jetzt viele Banken und Fonds ihre Griechenland- Anleihen verkaufen, de ihnen Gesetze oder andere Regularien den Besitzt solch risikoreicher Papiere untersagen.
Das erhöht den Druck auf die Finanzmärkte zusätzlich und macht es für Griechenland gleichzeitig noch schwerer sich zu akzeptablen Kosten neues Geld zu leihen. Und der Bedarf Griechenlands an frischem Kapital ist enorm.
Aber wer leiht einem Land noch Geld, wenn eine Ratingagentur davon ausgeht, dass man davon nur 30 bis 50 Prozent zurück bekommt? Das wiederum hängt davon ab, wie sehr man dem Urteil der Ratingagentur vertraut. Eine Ratingagentur ist eigentlich nichts anderes als ein Dienstleister, der dabei helfen soll, Kreditrisiken besser bewerten zu können.
Immer wieder wurden Unternehmen wie Standard & Poor‘s, Moody‘s und Fitch für ihre Urteile gescholten, entweder, weil sie zu lange zu gute Noten verteilt hatten, oder weil sie nicht früh genug auf Risiken hingewiesen haben.
Auch jetzt kann keiner mit Sicherheit sagen, ob die Agenturen bei Griechenland zu positiv oder zu negativ gestimmt sind. Es gibt aber keine besseren und allgemein akzeptierten Bewertungsmethoden. Aber genau das ist das Problem.
Da beklagen sich Politiker darüber, dass die Ratingagenturen Griechenland abstufen, obwohl doch Hilfe aus Deutschland und Europa angekündigt sei. Sollen die Anleger etwa ihre Investitionsentscheidung von politischen Zusagen abhängig machen? Dann könnte es ihnen bald so gehen, wie der Hypo Real Estate oder der Commerzbank. Beide Geldhäuser sind ganz oder Größtenteils unter staatlicher Kontrolle und beide gehören zu den größten Besitzern griechischer Staatsanleihen - dicht gefolgt von den Landesbanken.
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Medizin für China
Dienstag, 27. April 2010 12:33:54, Florian von Hennet
Die chinesische Heilkunst hat hierzulande einen recht guten Ruf. Ihre Anhänger verweisen gerne auf den tausende Jahre umfassenden Erfahrungsschatz. Akupunktur ist in vielen Praxen zu einer Standardbehandlung geworden. Und die Chinesen? Auch die entdecken neue Behandlungsformen und vor allem neue Medikamente. Sehr zur Freude der westlichen Pharmaindustrie.
2011 sollen 90 Prozent der Chinesen eine Krankenversicherung haben und bis 2020 eine medizinische Grundversorgung für alle Bürger gesichert sein. Zig Milliarden Euro pumpt die chinesische Regierung in den Auf- und Ausbau des Gesundheitssystems. Fast 30.000 Krankenhäuser sollen gebaut werden. Schon jetzt wächst der chinesische Pharmamarkt jährlich um etwa 17 Prozent - Tendenz steigend. Zum Vergleich: weltweit lag die Wachstumsrate in den vergangenen Jahren nur bei 4 bis 6 Prozent.
Wenn immer mehr Chinesen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, werden fast zwangsläufig auch mehr Krankheiten diagnostiziert. So leiden nach Schätzungen des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer rund 40 Millionen Chinesen an Diabetes. Die meisten wissen nur bisher nichts davon.
In China setzte die Pharmasparte von Bayer im vergangenen Jahr über 140 Millionen Euro mit dem Diabetes-Medikament Glucobay um. Das entspricht nicht nur einer Wachstumsrate um 28 Prozent, sondern auch fast der Hälfte des gesamten Glucobay-Umsatzes. Und während weltweit der Umsatz mit dem Herz-Kreislauf Medikament Adalat nur um ein Prozent zulegte, wuchs der Absatz in China um fast 40 Prozent auf rund 100 Millionen Euro.
Ein Ende des Wachstums ist kaum abzusehen. Bei Bayer schätzt man, dass sich der chinesische Pharmamarkt in den kommenden zehn Jahren verzehnfachen werde. 2020 käme er dann auf eine Jahresvolumen von 220 Milliarden Dollar. Schon in ein, zwei Jahren würde China dann Deutschland und Frankreich überrunden und nach den USA und Japan zum drittgrößten Pharmamarkt aufsteigen.
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Statistiken sind etwas Schönes
Dienstag, 27. April 2010 11:30:14, Florian von Hennet
Wenn man die richtigen parat hat, lässt sich mit ihnen fast jede Behauptung belegen. Die scheinbare Neutralität der Zahlen ist verführerisch. Dabei können auch Zahlen immer nur so objektiv sein, wie die Methoden, mit denen sie gewonnen wurden.
„Arbeitnehmer melden sich wieder häufiger krank“. So lautet heute die Überschrift einer überregionalen Tageszeitung. Sie beruft sich dabei auf Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium. Diese würden zeigen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den ersten drei Monaten im Schnitt 2,1 Tage und somit 3,66 Prozent ihrer Sollarbeitszeit krankheitsbedingt gefehlt hätten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspräche dies einem Anstieg um zwölf Prozent.
Auch eine spannende Interpretation hat die Zeitung parat: neben saisonalen Einflüssen würden Arbeitsmarktexperten auch eine leicht verbesserte konjunkturelle Situation verantwortlich machen. Die dahinter stehende These lautet: In Krisenzeiten nimmt die Fehlquote aus Angst um den Arbeitsplatz ab, verbessert sich die Lage, steigen auch die Fehlzeiten wieder. Mal ganz unabhängig davon, ob an dieser Theorie etwas dran ist, schon die Grundlage für die aktuelle Interpretation ist äußerst dürftig. Es sind nämlich genau drei Tage.
Jeden Monat melden die gesetzlichen Krankenkassen dem Bundesgesundheitsministerium, wie viele ihrer Mitglieder krank geschrieben seien. Stichtag ist immer der 1. eines Monats. Das Ministerium selbst warnt auf seiner Internetseite vor falschen Schlüssen aus solchen Zahlen. So lag dieses Jahr der 1. Januar an einem Freitag, der 1. Februar und 1. März jeweils an einem Montag. Im Vorjahr hingegen, fiel der 1. Januar auf einen Donnerstag, 1. Februar und 1. März jeweils auf Sonntage. Allein dadurch können sich schon erhebliche Abweichungen der gemessenen Krankmeldungen ergeben.
Bevor man überhaupt den langen und harten Winter in die Rechnung mit einbeziehen kann, ist schon fraglich, ob es überhaupt eine signifikante Veränderung bei den Fehlzeiten gab. Es ist daher eher müßig, solch wacklige Zahlen auch mit einer Theorie über die Wirkung von Konkunkturprogosen zu verbinden.
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Amazon und sein Bestseller
Freitag, 23. April 2010 12:35:15, Florian von Hennet
Im Internet etwas zu bestellen, ist für immer mehr Menschen völlig normal und fast alltäglich. Von diesem Wandel des Konsumverhaltens profitiert der weltgrößte Online-Versandhändler Amazon massiv.
Gestern Abend konnte er erneut ein kräftiges Wachstum melden. Amazon hat im ersten Quartal 300 Millionen Dollar verdient. Das sind stolze 68 Prozent mehr, als es im ersten Quartal 2009 waren.
Bei dem Unternehmen, dass mal vor vielen Jahren mit dem versenden von Büchern angefangen hat, kann man heute so ziemlich alles, was sich in einen Karton verpacken lässt. Hochwertige Elektronikgeräte ebenso wie Seifenblasenflüssigkeit, Schinkenschneidegeräte genauso wie ganze Schinkenkeulen.
Das derzeit bestverkaufte Produkt stammt allerdings von Amazon selbst: das elektronische Lesegerät Kindle. Mit dem Kindle ist Amazon quasi zu seinen Anfängen als Buchhändler zurück gekehrt. Rund 500.000 Buchtitel sind inzwischen abrufbar. Aber Amazon ist nicht allein auf dem Markt der Lesegeräte. Erst vor kurzem hat Apple mit dem Vertrieb des iPad begonnen und schon gibt es Bedenken, dass die goldenen Tage für Amazons Kindle gezählt seien könnten. Daher schauten die Analysten bei den Quartalszahlen auch nicht so sehr auf die Vergangenheit, sondern vor allem auf den Ausblick in die Zukunft.
Im Schnitt erwarten sie im zweiten Quartal Einnahmen von bis zu 330 Millionen Euro. Amazon selbst rechnet aber mit höchstens 320 Millionen. Es wird vermutet, dass Amazon wegen des iPad sicherheitshalber mit etwas niedrigeren Zahlen rechnet. Das wäre zwar ehrenwert, bedeutet für den Aktienkurs aber heute ein deutliches Minus von rund vier Prozent. Kein Wunder, schließlich ist die Luft für die Amazon Aktie nach einem steilen Anstieg auch recht dünn geworden. Ende 2008 stand sie bei rund 30 Euro, aktuell kostet sie über 107 Euro.
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Der Kaffeebohnenindikator
Donnerstag, 22. April 2010 12:38:48, Florian von Hennet
Bisher galten die Verkaufszahlen von Lippenstiften und Rocklängen als verlässliche Konjunkturindikatoren. In Japan hat sogar vor zwei Jahren ein Ökonom die Rezession präzise vorausgesagt - anhand eine Trends zu Kurzhaarfrisuren. Aber man die Lage der Wirtschaft auch an Kaffebohnen festmachen. Bestes Beispiel: die Kaffeehauskette Starbucks.
Starbucks hat das zurückliegende Quartal mit neuen Rekordzahlen abgeschlossen. Von Januar bis März machte das Unternehmen weltweit rund 2 ½ Milliarden Dollar Umsatz und erzielte dabei einen Gewinn von 340 Millionen Dollar. Im vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung um über 700 Prozent. Eine beachtliche Kehrtwende. Im Krisenjahr 2008 hatte Starbucks massenhaft Kunden verloren.
Vor allem in den USA war vielen angesichts von Massenentlassungen, Kursabstürzen und fallenden Immobilienpreisen die Lust auf ihren täglichen Latte Macciato entweder vergangen, oder sie besorgten sich die koffeinhaltigen Heißgetränke günstiger in Cafés von McDonalds. Starbucke reagierte mit einem harten Sparprogramm. Statt wie zuvor täglich im Schnitt mehr als sieben Geschäfte zu eröffnen, wurden ab Mitte 2008 hunderte Geschäfte wieder geschlossen. Gleichzeitig wurde die Speisekarte überarbeitet und an den internen Kosten gearbeitet.
2009 konnte Starbucks so fast 600 Millionen Euro einsparen. Und jetzt kommen den Kunden offenbar wieder. Die Umsätze in den Filialen sind im Schnitt um sieben Prozent gewachsen. Und das nicht nur, weil es mehr Gäste gibt, sondern weil sie mehr ausgeben. Prompt erhöhte Starbucks auch seine eigenen Erwartungen an das Gesamtjahresergebnis.
Der Plan, dieses Jahr weltweit 200 neue Filialen zu eröffnen, wurde ausdrücklich bestätigt. In Frankfurt steigt die Aktie um über ein Prozent.


