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05.05.2010 Lufthansa fliegt auf Sicht
04.05.2010 Griechenland überschattet Bilanzsaison
03.05.2010 BP vor Milliardenschaden
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  • Trichets Drahtseilakt

    Donnerstag, 06. Mai 2010 12:33:46, Florian von Hennet

     

    Zwei mal im Jahr treffen sich die Währungshüter der Europäischen Zentralbank für ihre Beratung nicht am Stammsitz in Frankfurt, sondern reisen in eines der Euroländer. Heute ist Lissabon dran. Zentrales Thema ist aber nicht die Lage Portugals, sondern Griechenlands. Und es geht dabei nicht nur um die finanzielle Zukunft der Helenen, sondern auch um die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank.
    Die Europäische Zentralbank ist so etwas wie ein Pfandhaus für Banken. Die können sich frisches Geld bei der EZB besorgen, müssen dafür aber eine Sicherheit hinterlegen. Dabei war die Zentralbank bis vor Kurzem sehr wählerisch und akzeptierte nur erstklassige Ware.

    Man stelle sich nun ein Pfandhaus vor, dem man bisher nur reine Goldbarren und feinste Edelsteine als Pfand geben konnte, plötzlich aber genauso gut Altmetall und Kieselsteine unterschieben kann. So ähnlich läuft es derzeit bei der EZB.

    Wenn sich eine Bank bei ihr Geld leihen möchte und dafür eine Staatsanleihe als Sicherheit anbietet, so muss diese Staatsanleihe von mindestens einer anerkannten Rating-Agentur mit einer A-Note bewertet sein. Doch von dieser Note sind griechische Staatsanleihen weit entfernt. Die EZB hat daher ihre Qualitätsanforderungen für Sicherheiten aus Griechenland nicht nur gesenkt, sondern gleich komplett gestrichen.

    Auch die von Standard & Poor‘s als Ramsch bewerteten Anleihen lassen sich jetzt bei der EZB wie 1A-Ware in frisches Geld eintauschen. Die Zentralbänker haben diesen Schritt sicher nicht leichten Herzens gemacht. Er war aber zumindest politisch alternativlos. Hätte die EZB ihre Richtlinien nicht gelockert, wären griechische Banken höchst wahrscheinlich über Nacht zahlungsunfähig geworden, mit kaum absehbaren Folgen für die griechische Wirtschaft und Gesellschaft.

    Das Problem der EZB: sie soll bei ihren Maßnahmen eigentlich nicht politischen Überlegungen folgen, sondern in erster Linie den Euro stabil halten. Das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung schwindet aber, wenn die Zentralbank nicht mehr als unabhängig gilt.

    EZB-Chef Jean-Claude Trichet muss heute den gewaltigen Spagat zwischen staatspolitischer Notwendigkeit und währungspolitischer Vernunft überzeugend begründen. Andernfalls könnte der Euro dauerhaft Schaden nehmen. Seit Jahresbeginn hat er gegenüber dem Dollar bereits über zehn Prozent an Wert verloren und fällt heute auf unter 1 Dollar 28.

  • Lufthansa fliegt auf Sicht

    Mittwoch, 05. Mai 2010 12:35:17, Florian von Hennet

    Die Vulkanasche ist zurück und sie bringt schon wieder der Luftverkehr in Europa durcheinander. Zumindest ein wenig. Von einem Flugverbot betroffen sind derzeit nur Teile Irlands und das nördliche Großbirtannien. Aller Voraussicht nach wird die Aschewolke aber Kontinentaleuropa und Deutschland nicht erreichen. Die Lufthansa sieht ihre ehrgeizigen Umsatz- und Gewinnziele für dieses Jahr dennoch in Gefahr.

    200 Millionen Euro. So viel hat die wegen der Aschewolke angordnete Flugpause die Lufthansa nach eigenen Angaben gekostet. Für das schwache Abschneiden im ersten Quartal kann der isländische Vulkan aber nicht verantwortlich gemacht werden, schließlich wurden für die heute vorgelegten Zahlen nur die Daten der ersten drei Monate verwendet.

    Die Lufthansa hatte zwischen Januar und März über 25 Prozent mehr Fluggäste befördert als als im Vorjahr. Sie hat auch deutlich mehr Fracht transportiert und ihre Maschinen besser ausgelastet und 15 Prozent mehr eingenommen als im Vergleichszeitraum. Aber gleichzeitig sind ihre Ausgaben noch stärker gestiegen. Unterm Strich ergab sich daraus ein Minus von 330 Millionen Euro und damit ein noch größeres Minus als vor einem Jahr.

    Das Ziel, dieses Jahr wieder einen Gewinn zu erwirtschaften, ist dadurch ohnehin nicht leicht zu erreichen. Und dann kam im April auch noch die Aschewolke. Die wird ihre Spuren zwar erst in der Bilanz des zweiten Quartal hinterlassen, belasten tut sie den Kurs der Lufthansa-Aktie aber schon jetzt. Erst recht, da sie aktuell mal wieder von sich Reden macht.

    Zwar haben sich die EU-Verkehrsminister inzwischen auf einheitliche Grenzwerte verständigt. Damit können sie sie zwar ein Abstimmungschaos der Behörden verhindern aber leider nicht ein erneutes Flugstopp. Falls es aber noch einmal zu ähnlichen Unterbrechungen kommen sollte, dann sähe die Lufthansa ihr Gewinnziel für dieses Jahr gefährdet. Weitere Beeinträchtigungen seien unberechenbar.

    Aber nicht nur Vulkane sind für die Gewinne der Lufthansa gefährlich, auch die eigenen Piloten. Die Tarifverhandlungen sind noch immer nicht beendet. Allein der eine Streiktag im Februar soll fast 50 Millionen Euro gekostet haben. Die Lufthansa Aktie steht mittags knapp im Minus.

  • Griechenland überschattet Bilanzsaison

    Dienstag, 04. Mai 2010 12:32:04, Florian von Hennet

    Es ist Bilanzsaison. Die Aktiengesellschaften legen ihre Zahlen der ersten drei Monate des Jahres vor und die Anleger versuchen daraus schlau zu werden. Die meisten Schlagzeilen lesen sich vielversprechend und wahrscheinlich könnten viele Investoren erleichtert in die Zukunft blicken, wenn, ja wenn da nicht Griechenland wäre.

    Adidas erhöht seine Umsatzprognose. Dank der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft hofft der Sportartikel-Konzern, in diesem Jahr mehr verkaufen zu können, als im Vorjahr. Unterm Strich sollen die Erlöse um einen mittleren, einstelligen Prozentsatz steigen. Somit ist Adidas sogar noch etwas optimistischer als Konkurrent Puma. Und Adidas geht mit dem Geld sorgsam um: der Schuldenberg wurde weiter deutlich verkleinert.

    Auch von den Autobauern kommen positive Signale. Der für die Branche wichtige US-Markt erholt sich weiter. VW konnte im April 42 Prozent mehr Wagen nach Amerika verkaufen, als im Vorjahr. Bei Daimler stiegen die Absatzzahlen um fast 19, bei BMW um immerhin neu Prozent.

    Auch vom Bankensektor kommen beruhigende Neuigkeiten. Die Schweizer Bank UBS erhöhte ihren Gewinn im ersten Quartal auf 2,2 Milliarden Franken - nach einem Verlust von 1 ½ Milliarden im vergleichszeitraum. Und ähnlich wie die Deutsche Bank, machte auch die UBS das meiste Geld mit ihrem Investmentbanking. Die Sparte, die die UBS fast in den Abgrund gerissen hatte, erwirtschaftete mit dem Handel mit Anleihen und Währungen einen Vorsteuereinnahmen von rund 1,2 Milliarden Franken. Und für die mit viel Staatsgeld gerettete Commerzbank erwarten die Analysten nach einer langen Durststrecke erstmals wieder Gewinne.

    Doch spätestens bei der Commerzbank werden die Anleger dann wieder vom Thema Griechenland eingeholt. Die Commerzbank sitzt nämlich über ihre Tochter EuroHypo auf einem Berg griechischer Staatsanleihen im Wert von schätzungsweise drei Milliarden Euro. Und da die Kapitalmärkte offenbar noch immer nicht von einer soliden Lösung der griechischen Geldprobleme überzeugt sind, helfen all die guten Quartalszahlen heute nicht weiter. Der Dax musste seine anfänglichen Gewinne wieder abgeben und steht jetzt fast ein Prozent im Minus, der TecDax kann sich mittags so eben noch auf seinem Vortagsniveau halten.

  • BP vor Milliardenschaden

    Montag, 03. Mai 2010 12:40:50, Florian von Hennet

    Im Golf von Mexiko fließen täglich schätzungsweise 800tausend Liter Öl in Meer. Und noch ist nicht abzusehen, wann die Lecks gestopft werden können. Der sich ausbreitende Ölteppich bedroht in der Region wertvolle Naturschutzgebiete, aber auch Krabbenfischgebiete und Austernfarmen.

    Neben dem ökologischen, droht auch ein wirtschaftlicher Schaden. Da BP das Öl gehört, dass gerade unkontrolliert ins Meer fließt, muss BP für den Schaden gerade stehen, der entsteht. Das sieht zum Glück auch BP so und der Konzern hat heute explizit erklärt, die Kosten der Umweltkatastrophe zu übernehmen. Das kann teuer werden.

    Seriöse Schätzungen sind bisher kaum möglich, da noch niemand genau weiß wo wie viel Öl an die Küste geschwemmt wird und wie lange es dauert, bis das Leck unter der ehemaligen Bohrplattform dicht gemacht werden kann. Ein vergleich mit der vor 21 Jahren an der Alaskischen Küsten havarierten Exxon Valdez ist schwierig. Damals flossen über 40 Millionen Liter Öl ins Wasser und verschmutzen 2000 Kilometer Küste.

    Wenn die aktuellen Berechnungen stimmen, dann würde es insgesamt rund 70 Tage dauern, bis eine vergleichbare Menge auch im Golf von Mexico treibt. Am teuersten werden wohl die Reinigungsarbeiten an der Küste sein, hinzu kommen dann aber auch noch mögliche Strafzahlungen sowie Schadenersatz für Anwohner, Fischer und die Tourismusindustrie. Der Ölkonzern Exxon musste insgesamt 4,3 Milliarden Dollar bezahlen.

    Auf BP könnte mehr als das doppelte zukommen. Nicht eigerechnet der Rufschaden. Neue Konzessionen für Tiefseebohrungen wird BP nicht so schnell bekommen und die Sicherheitsauflagen für bestehende Plattformen könnten deutlich erhöht und damit verteuert werden. Die Aktie von BP verliert heute über fünf Prozent an Wert.

  • HP kauft Palm

    Donnerstag, 29. April 2010 12:37:00, Florian von Hennet

    Hewlett-Packard ist der weltgrößte Computerhersteller. Aber wussten Sie, dass HP auch Mobiltelefone produziert? Wenn nicht, dann seien Sie unbesorgt: so geht es vielen. Die beiden iPAQ-Modelle fristen bei HP ein tristes Nischendasein, fernab von all dem Tamtam der die Geräte von Apple, Google oder selbst Microsoft begleitet.

    Da aber Smartphones - und ganz allgemein mobile Geräte - ein gigantischer Wachstumsmarkt sind, kauft sich HP Verstärkung. Hewlett-Packard will den Smartphonehersteller Palm für 1,2 Milliarden Dollar übernehmen. $5.70 werden den Plam-Aktionären für ihre Anteile angeboten, was einer gut 20-prozentigen Prämie gegenüber dem gestrigen Schlusskurs entspricht und deutlich mehr ist, als Analysten zuletzt als Kaufpreis erwartet hatten.

    Dass Palm zu haben ist, war seit gut zwei Wochen bekannt, schließlich hatte sich das Unternehmen selbst zum Verkauf gestellt und Investmentbanker auf die Suche nach möglichen Interessenten geschickt. Zwei Modelle hat Palm derzeit auf dem Markt, das Pre und das Pixi. Beide den einflussreichen Technikkritikern bekamen beide fast durchgehend gute Noten und das von Palm selbst entwickelte Betriebssystem wird als fortschrittlich und wegweisend gelobt. Das einzige was fehlt, sind ausreichend Käufer.

    Aber große Marketingkampagnen kann sich Palm nun mal nicht leisten. Und ohne die hat man in dem heiß umkämpften Markt keine echte Chance. Unter dem Dach von HP könnte sich das Schicksal Palm nun doch noch zum Guten wenden. Der Konzern verfügt über sehr tiefe Taschen. Im Gegenzug bietet Palm ein innovatives Soft- und Hardwaresystem und vor allem gute Beziehungen zu den Mobilfunknetzbetreibern.

    Wer am Ende am meisten von dem Geschäft profitiert, ist noch nicht ausgemacht. HP-Anteile stehen leicht im Minus. Die Palm-Aktie steigt hingegen um über 20 Prozent und notiert zeitweise sogar über dem von HP angebotenen Kurs - da haben wohl manche Hoffnung auf einen Nachschlag.

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Florian von Hennet ist der BörsenMan und börsentäglich auf SWR3 zu hören.

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