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| 14.05.2010 | Die normative Kraft des Faktischen |
| 12.05.2010 | Realwirtschaft |
| 11.05.2010 | Webers Bedenken |
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Virtueller Fabrikverkauf
Freitag, 21. Mai 2010 12:50:23, Florian von Hennet
Procter and Gamble öffnet heute seinen eStore. Wenn auch vorerst nur für Kunden in den USA. Wer dort Windeln von Pampers oder Rasierklingen von Gilette online einkaufen will, muss nicht mehr den Umweg über einen Internethändler gehen, sonder kann direkt bei Hersteller bestellen. So eine Art virtuelle Fabrikverkauf also.
Ein nicht ganz ungefährlicher Schritt aus Sicht von Procter and Gamble. Bisher versuchen die meisten Hersteller nicht in direkte Konkurrenz zu ihren Großhändler in treten. Schließlich will man es sich mit denen nicht verderben, sorgen sie doch in der Regel nach wie vor für den größten Umsatz. Procter and Gamble betont daher auch, dass der neue Online-Laden vor allem als ein Labor und Testgeschäft fungieren soll. Man wolle die Einkaufsgewohnheiten und Wünsche der Kunden besser ergründen.
Doch dieses Argument dürfte etwas vorgeschoben sein. Schließlich geht es um einen riesigen Markt. Noch stehen Online-Verkäufe bei Procter and Gamble nur für nicht mal ein Prozent der insgesamt rund 80 Milliarden Dollar Umsatz. Aber der Internetverkauf von Haushaltsreinigern, Waschmitteln und Windeln wuchs in den vergangen Jahren mit hohen zweistelligen Prozentsätzen. Und Procter and Gamble hat die heutige Ladeneröffnung gut vorbereitet. In den vergangenen Monaten haben 5000 Testkunden schon mal Probeshoppen dürfen.
Für die Großhändler könnte der Schritt von Procter and Gamble durchaus gefährlich werden. Im Internet lassen sich Preise leicht vergleichen, den Hersteller zu unterbieten dürfte schwierig werden. Wenn sich in den kommenden Jahren die Einkaufsgewohnheiten weiter verändern, werden die Beziehungen zu den Kunden und das Wissen über deren Gewohnheiten immer wertvoller. Der Einzelhandel wird das Experiment von Procter und Gamble nicht gerne sehen, aber ist jetzt zumindest klar und deutlich gewarnt worden.
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Die normative Kraft des Faktischen
Freitag, 14. Mai 2010 12:36:31, Florian von Hennet
Wenn man die Berichte über die finanzielle Situation Griechenlands, Spaniens, Portugals oder Italiens ließt, dann klingt da gelegentlich ein gewisser Hochmut mit. Ganz so, als hätten wir hier in Deutschland bisher alles richtig gemacht.
Zugegeben, die Situation Deutschlands ist vergleichsweise komfortabel. Aber auch wir haben im vergangenen Jahr gegen die Maastricht-Kriterien verstoßen und stehen vor einen gewaltigen Schuldenberg. Vielleicht sollten wir uns schon mal an den Gedanken gewöhnen, dass die Bundesregierung bald ähnliche Sparpakete wie Spanien und Portugal auflegt.
Spaniens Beamten wir das Gehalt um fünf gekürzt. Minister müssen sogar auf 15 Prozent ihrer Einnahmen verzichten. Die Renten werden im kommenden Jahr nicht erhöht. Sonderzahlungen für Familien mit Neugeborenen werden abgeschafft und staatliche Investitionen sollen um sechs Milliarden Euro gekürzt werden. All das, wird zwar das Wachstum der spanischen Wirtschaft zusätzlich dämpfen. Das ist der Regierung durchaus bewusst, aber derzeit ist die Konsolidierung des Haushalt und das dadurch gewinnen Vertrauen wichtiger.
Ähnlich harte Spar-Ankündigungen gibt es auch aus Portugal. Dort bricht die Regierung ein letztes Jahr im Wahlkampf gegebenes Versprechen und erhöht die Steuern. Unternehmen, die mehr als zwei Millionen Euro Gewinn erzielen, müssen eine zusätzliche Krisensteuer von 2,5 Prozent bezahlen. Zusätzlich wird die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent erhöht. Und das wird noch nicht alles sein. Weitere Sparmaßnahmen sind bereits angekündigt. In Portugal und Spanien haben die Gewerkschaften Widerstand angekündigt und drohen mit Streiks.
Die EU-Kommission in Brüssel lobte die Anstrengungen aber ausdrücklich. Es führt wohl auch kein Weg daran vorbei und die sozialistischen Regierungen beider Länder haben das offenbar eingesehen, akzeptiert und ziehen die Konsequenzen. Denn nur, wenn man Spanien und Portugal wieder zutraut, ihre Schulden in vollem Umfang zurück zu bezahlen, werden sie am Kapitalmarkt das nötige Geld bekommen.
Vor einer Woche waren spanische und portugiesische Staatsanleihen praktisch nicht mehr handelbar und sogar französische wollte angeblich kaum ein Investor mehr anfassen. Auch dank der Sparankündigungen hat sich die Lage wieder etwas entspannt. Gelöst sind die Probleme aber noch lange nicht. Und auch Deutschland wird nachweisen müssen, dass es in absehbarer Zeit seine Schulden abbauen kann.
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Realwirtschaft
Mittwoch, 12. Mai 2010 12:42:02, Florian von Hennet
So gefährlich die Euro-Spekulationen an den Finanzmärkten auch seien mögen: in der „realen“ Welt lauern ganz andere Gefahren. Da gibt es nicht nur Kursstürze, sondern echte Stürme und echte Katastrophen.
Aus Sicht der Allianz leider mehr, als für die Bilanz gut ist. Im 1. Quartal musste die Allianz mehr Geld für Schäden zahlen, als sie mit den entsprechenden Versicherungsprämien eingenommen hat. Die sogenannte Schaden-Kosten Quote erhöhte sich dadurch auf über 100 Prozent.
Ungewöhnlich viel Geld kosteten Unwetter und Naturkatastrophen. Für die musste die Allianz mit 555 Millionen Euro in 1. Quartal mehr als doppelt so viel ausgeben, wie im Vorjahreszeitraum.
Aber zum Glück für die Allianz lief es dafür in anderen Geschäftsbereichen sehr viel besser als erwartet. Das glich die höheren Belastungen mehr als aus und verhalf dem Versicherungskonzern zu einem operativen Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro, gut 20 Prozent höher als letztes Jahr. Damit lag die Allianz deutlich über den Schätzungen der Analysten. Die Allianz Aktie steht daher an der Dax-Spitze mit mit einem Plus von rund 3 ½ Prozent.
Bei den größten Gewinnern im deutschen Leitindex steht auch die Aktie der Telekom. Der Kommunikationskonzern schreibt nämlich wieder schwarze Zahlen. Wo im Vorjahr noch ein Verlust von mehr als 1,1 Milliarden Euro stand, verzeichnet die Telekom nun einen Konzernüberschuss von fast 770 Millionen Euro. Der Umsatz ging nur leicht zurück und konnte im Vergleich zu früheren Zeiten praktisch stabil gehalten werden.
Hervorgehoben wurden die „hervorragenden Zahlen“ im inländischen Mobilfunkgeschäft. Hier konnte die Telekom ihre Marktführerschaft ausbauen. Trotz der wirtschaftlichen Probleme läuft das Geschäft der Telekom in Griechenland rund. Sogar die Margen sollen unverändert hoch sein. Die T-Aktie steigt um fast drei Prozent.
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Webers Bedenken
Dienstag, 11. Mai 2010 12:36:57, Florian von Hennet
Hilfen für Griechenland: noch vor wenigen Wochen hieß es, so etwas sei gar nicht nötig, das Land könne sich selbst helfen. Doch heute ist es soweit. Laut Agenturinformationen wird Griechenland noch im Laufe des Tages eine erste Auszahlung von Hilfsgeldern beantragen. Ab jetzt wird es also ernst.
Was bisher nur theoretisch durchgespielt wurde, muss sich ab heute in der harten Realität der Finanzmärkte bewehren: der Rettungspakt der EU. Das Problem dabei ist jedoch, dass nicht nüchternen Zahlen über Sieg oder Niederlage entscheiden werden, sondern psychologische Effekte.
Einer der wichtigsten Faktoren für die bisherige Stabilität des Euro, war das Vertrauen in die Europäische Zentralbank. Und dieses Vertrauen fußte auf der Unabhängigkeit der Notenbanker. Staatshaushalte lassen sich sehr einfach sanieren, wenn die Regierung einfach die Notenpresse anwirft und einfach mehr Geld druckt. Die Folge: Inflation, also Geldentwertung.
Damit die Bürger dem Wert des Euro vertrauen, mussten sie die Sicherheit haben, dass die europäischen Regierungen dieses Mittel erst gar nicht in die Hand bekommen. Das hatte Jahrelang gut geklappt und der Euro ist sogar noch stabiler als die D-Mark. Doch nun haben sich die Notenbanker offenbar dem Diktat der Politik gebeugt und setzen den Euro einem Inflationsrisiko aus.
Einige Währungshüter bestreiten diese Gefahr und meinen, auch künftig die Inflationsrisiken im Griff behalten zu können. Doch wenn sogar der Präsident der Bundesbank, Axel Weber, erhebliche stabilitätspolitischen Risiken ausmacht und den Ankauf von Staatsanleihen kritisch sieht und diese Meinung sogar öffentlich äußert, dann sollten einige Alarmglocken klingeln.
Weber versucht zwar Inflationsängsten vorzubeugen, doch das dickste Milliardenprogramm wird nichts wert sein, sollte in den nächsten Wochen und Monaten das Vertrauen in ihn und die EZB Schaden nehmen. Jegliche Infaltionsanzeichen werden künftig noch sensibler wahrgenommen. Die Spekulanten würden beim ersten Anzeichen einer erneuten Schwäche erneut den Euro unter Druck setzten.
Das hat vielleicht auch sein Gutes: der unnachgiebige Druck der Spekulanten könnte zu tatsächlichen Reformen und solider Haushaltspolitik führen. Noch hört sich das aber eher wie ein frommer Wunsch an.
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Fat Fingers?
Freitag, 07. Mai 2010 12:51:30, Florian von Hennet
An den meisten Börsen haben längst Maschinen den Wertpapierhandel übernommen. Der Handelssaal der Frankfurter Börse verdank seine Existenz seit Jahren nur noch dem Fernsehen. Die großen Kurstafeln sind ja auch schöner, als stupide vor sich hin surrende Großrechner. Die Händler im Saal dienen vor allem der Dekoration. Gestern zeigte sich aber mal wieder, dass der elektronischen Aktienhandel nicht ganz ungefährlich ist.
Den Anfang machte angeblich ein Mensch. Statt Aktien für 16 Millionen, soll ein Händler Wertpapiere im Gesamtwert von 16 Milliarden Dollar verkauft haben. Solche Verschreiber die hin und wieder vorkommen, werden scherzhaft „fat finger error“ genannt. Die englische Million unterscheidet sich schließlich nur in ihrem ersten Buchstaben von der Billionen. Und die beiden Buchstaben werden obendrein auf der Tastatur nur durch das N von einander getrennt.
An dieser Theorie gibt es jedoch auch Zweifel. Was genau passierte ist noch nicht geklärt, die Folgen waren jedenfalls erstaunlich. Einige Aktien verloren innerhalb von Sekundenbruchteilen fast ihren gesamten Wert. Die Aktie der Unternehmensberatung Accenture fiel von gut 40 Dollar auf nur noch einen Cent. Ähnlich erging es auch Aktien von 3M und Procter & Gamble. Immerhin Schwergewichte im Dow Jones.Der Index ging entsprechend in die Knie und verlor zwischenzeitlich fast 1000 Punkte. Der größte Rutsch in der Geschichte des Dow Jones.
Das alles passierte just in dem Moment, als die Börse ohnehin nervös war. aus Griechenland waren gerade neue Krawalle gemeldet worden, der Euro unter Druck und viele sorgten sich um die Zukunft der Weltkonjunktur. Die angespannte Lage und der relativ geringe Handel hat den Kursrutsch wahrscheinlich überhaupt erst möglich gemacht. Ihn aber auf jeden Fall verstärkt.
Elektronische Handelssysteme sind jetzt in der Kritik. Sie sollen automatisch mit weiteren Verkaufsaufträgen eine Kettenreaktion ausgelöst haben. DIe aber zum Glück nur kurz dauerte. Innerhalb weniger Minuten schulg das Pendel wieder in die andere Richtung aus und der Dow Jones konnte den zwischenzeitlichen Kursverlust zu großen Teilen wieder ausgleichen.
Auch wenn die Folgen nicht dramatisch waren, die Ereignisse haben gezeigt, wie schnell ein System außer Kontrolle geraten kann. Hoffentlich wird der Warnschuss richtig verstanden.


